Willkommen! - Freundeskreis Asyl Welzheim

Rückblick 2016: Ein ereignisreiches Jahr

Rückblick 2016: Ein ereignisreiches Jahr

Liebe Leserinnen und Leser,

ein ereignisreiches Jahr 2016 liegt hinter uns – das wollen wir zum Anlass nehmen, um zurückzublicken und uns an die schönen und freudigen, anstrengenden und herausfordernden Momente des letzten Jahres ins Gedächtnis zu rufen.

Im Januar 2016 war in unserer Kleiderkammer einiges los. Zahlreiche Spenden durften wir entgegennehmen, sortieren, einräumen und mit Freude weitergeben. Immer wieder stießen die Räumlichkeiten im Postweg an Grenzen; es musste hin- und hergeräumt, verstaut und gestapelt werden.

Im März erweiterten wir unser Angebot um die Fahrradwerkstatt. Auch hierfür wurde fleißig gespendet und zeitweise hatten Volker und Eberhardt zu den Öffnungszeiten so viele Kunden vor der Türe stehen, dass es fast unmöglich war, mit der Arbeit nachzukommen.

Etwa ein Jahr später haben wir für Kleiderkammer und Fahrradwerkstatt festgestellt: Sich vom eigenen Geld etwas leisten zu können verleiht der Sache einen höheren Wert. Und da wir dazulernen, gibt es Fahrradreparaturen, Kleidung oder Haushaltswaren mittlerweile gegen einen kleinen Obolus, den jeder aufwenden kann. Die Rückmeldungen – auch von den Geflüchteten – sind außerordentlich positiv!

Wir hatten im letzten Jahr auch mit Problemen zu kämpfen. Im Frühjahr wurde einer unserer Helfer von einem Asylbewerber mit dem Messer angegriffen. In aller Deutlichkeit waren wir mit den Schattenseiten unserer Arbeit konfrontiert. Als der Angreifer die Unterbringung verlassen musste, atmeten nicht nur wir, sondern vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft auf.

Im Mai ließen zwei junge Geflüchtete aus Syrien Leserinnen und Leser der Welzheimer Zeitung an ihren Geschichten von Heimat und Flucht teilhaben. Heute leben die beiden noch immer in der Paul-Dannemann-Straße und geben die Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland nicht auf.

Einer der beiden besucht das Welzheimer Gymnasium. Dass er noch gar nicht lange in Deutschland lebt, merkt man ihm kaum an – so sehr hat er sich unsere Sprache schon zu eigen gemacht. Der zweite absolviert einen Bundesfreiwilligendienst und hat vor kurzem seine ‘A1-Prüfung’ bestanden und damit bewiesen, dass er die Grundlagen der deutschen Sprache beherrscht.

Die sprachlichen Fortschritte sind zu einem Großteil der unermüdlichen Tatkraft von Helferinnen und Helfern der Sprachgruppe zu verdanken. Wo staatliche Kurse auf sich warten ließen, nahmen engagierte Ehrenamtliche sich der Sache an und haben noch nicht aufgegeben, die Kniffe und Tücken der deutschen Sprache mit den Lernfreudigen zu pauken.

Da es für Sylvia Elbs mit ihrer Ballettschule nicht immer einfach war, direkte Nachbarin einer Asylunterkunft zu sein, wollte man mit einem Fest einen neuen Anfang des Miteinanders wagen, sich kennenlernen, die Wogen glätten. Dazu initiierten die Bewohnerinnen und Bewohner der Containerunterkunft mit Frau Elbs ein fröhliches Begegnungsfest, welches den Tag mit verschiedenen Köstlichkeiten ferner Länder, Musik und Tanz zu einem unvergesslichen werden ließ.

Im Juli waren Geflüchtete erstmals vor die Aufgabe gestellt, den Container zu verlassen und privaten Wohnraum zu beziehen. Wohnraum – in Welzheim ohnehin Mangelware – für Flüchtlinge zu finden, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen. Bis heute ist, und wird auch Zukunft, die Wohnungssuche eine Aufgabe sein, die es zu bewältigen gilt.

Im August nahm die Unterkunft in der Schorndorfer Straße nach und nach Gestalt an. Nachdem es bei der Genehmigung zu Verzögerungen gekommen war, wurde die Fertigstellung neu terminiert. Im Oktober stand fest, dass der Bau die geplanten Kosten nicht übersteigen würde.

Ende des letzten Jahres atmeten wir auf, denn in der Zeitung war zu lesen: Ein Hauptamt in der Flüchtlingsarbeit soll besetzt werden, jemand, der (oder die) sich nicht nur in Welzheim, sondern auch in Kaisersbach und Alfdorf um die Belange der Geflüchteten und Ehrenamtlichen kümmert. Da Angelika Böttcher die Koordination des Freundeskreises zum Ende des Jahres abgegeben hatte, ist dies umso notwendiger. Bis dahin wird sie aber, zusammen mit Ulrike Wermescher, weiterhin Ansprechpartnerin sein.

Die Schließung der Balkanroute letzten Jahres macht sich auch in Welzheim bemerkbar. Im Herbst bestand kaum noch Bedarf an neuen vorläufigen Unterkünften, kaum neue Flüchtlinge kamen an. Umso mehr gilt es nun, sich mit denen, die hier leben, auf den steinigen Weg der Integration zu begeben. Wie beschwerlich dieser sein kann, spüren nicht nur Ehrenamtliche, sondern insbesondere die Geflüchteten gegen Ende des Jahres: Zu viele Asylanträge sind noch immer nicht beschieden, zu oft Verwandte und Bekannte daheim in Gefahr. So manch ein großer Traum von Deutschland wird auf dem Weg verloren gegangen sein. Gesetzestexte wurden verschärft, Sanktionen strenger, Herzlichkeit gegenüber Geflüchteten ließ nach. Zu oft muss sich erklären, wer trotzdem hilft.

Allen Widrigkeiten zum Trotz wissen wir, dass unsere Arbeit sinnvoll und notwendig ist. Dass Erfolge nicht gleich sichtbar werden, dass sie manchmal lange auf sich warten lassen. Bei allen Helfenden möchten wir uns für jeden noch so kleinen Schritt in Richtung Integration von ganzem Herzen bedanken.

Uns erwartet ein neues Jahr der Herausforderungen und wir hoffen, auch dieses gemeinsam zu meistern.